Donnerstag, 16. Juni 2011

Herr Bödefeld fährt mit der Bahn

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Das klingt ja erst mal ganz profan.
Im Grunde ist das für uns aber etwas ganz besonderes. Nicht, dass Bödi mit der Bahn fährt, sondern dass wir es überhaupt in die Bahn rein geschafft haben, denn: Herr Bödefeld hat Züge gehasst wie der Teufel das Weihwasser.

Warum, wieso, weshalb? Ich habe keine Ahnung. Obwohl das Bödelchen nicht der super-souveräne Hund ist, ist er doch, was das Entdecken und Erforschen neuer Dinge angeht immer sofort dabei, mutig, vorwitzig und immer für neues offen. Tja, außer eben für Züge.

Wir waren auch in der Sozialisierungsphase mit ihm an Bahnhöfen, es ist also nicht so, dass er das nicht gekannt hätte, als wir wenige Monate später mit der Hundeschule einen Bahnhof besucht haben und dort das Drama seinen Lauf nahm.

Wir standen gar nicht direkt am Gleis, sondern in bestimmt 40 Meter Entfernung zum einfahrenden Zug, als Herr Bödefeld eine Panikattacke erster Güte erlitt.

Und damit begann unser Zugtraining, zuerst mit der Hundeschule, dann in gleicher Besetzung mit unserer Hundegruppe, mit der wir uns immer noch wöchentlich zur gemeinsamen Arbeit treffen. In Minikleinstschritten haben wir uns das Thema Bahnhof und Züge erarbeitet.
Ich muss gestehen, oftmals hatte ich einfach keinen Bock mehr. Ich konnte keine Bahnhöfe mehr sehen, ich hatte es so satt, die Fortschritte waren so klein, ich wollte nicht mehr. Gott sei Dank sind unsere Trainerinnen hartnäckig geblieben und so waren wir oft gesehene Gäste auf den Oberbergischen Bahnhöfen.

Vor 7 bis 8 Monaten erkannte ich (fast unbemerkt) den ersten größeren Fortschritt. Wir haben in dunklen Winterabenden gerne auf Parkplätzen von großen Discountern trainiert. Die waren immer von Schnee geräumt, sehr gut beleuchtet und wir konnten unter verschiedensten Ablenkungsreizen trainieren. Das war toll für Bödi, hat er doch früher bei der kleinsten Ablenkung alle Dummies, Aufgaben oder wahlweise mich total vergessen.

Während wir mit der Gruppe dort trainiert haben, sind immer wieder Züge dort vorbei gefahren. Erst ist Bödi noch zur Salzsäure erstarrt (immerhin hat er nicht versucht, die Flucht zu ergreifen), dann konnte er die vorbeifahrenden Züge zumindest beobachten, später hat er sogar Leckerli angenommen, während der Zug vorbei fuhr. Das steigerte sich immer weiter, er war "auf einmal" in der Lage, zu apportieren und Signale zu befolgen, während der Zug vorbei rauschte (natürlich immer noch mit 1 1/2 Augen zu den Gleisen schielend) und schließlich hat er sich nicht mehr um die Züge gekümmert.

War Ende 2009 schon das Geräusch von Zügen zu viel, konnten wir ein Jahr später direkt auf dem Bahnhof trainieren. Immer noch weiter weg von den befahrenen Gleisen. Über viele Wochen haben wir uns den Gleisen, Zügen, ein- und aussteigenden Menschen immer weiter genähert, bis er vor 4 Wochen "direkt" am Gleis liegen konnte und Fleischwurst gemümmelt hat, während der Zug einfuhr, die Menschen ausstiegen und der Zug wieder weiter fuhr (ok, da ist er noch mal aufgestanden, hat sich aber wieder ruhig ablegen lassen).

Und vor drei Wochen sind wir dann zum ersten Mal mit der Bahn gefahren, das Bödelchen und ich (und seine Kumpels aus der Hundegruppe :) ). Das habe ich wenige Tage später direkt genutzt und habe eine Wanderung mit ihm unternommen, die nicht als Rundwanderung konzipiert ist, sondern Anfangs- und Zielpunkt zwei verschiedene Bahnhöfe sind. Das hätte ich mir letztes Jahr auch nicht träumen lassen.

Was lange währt, wird endlich gut, auch wenn es gut und gerne 1,5 Jahre gedauert hat.

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Kommentare:

  1. ... gut Ding braucht Weile - heißt es wohl nicht umsonst. Schön, das Bödi nun auch die Bahncard nutzen kann ;-)
    Unsereiner hat zwar Respekt vor dem Lärm, aber so wirklich regt uns so eine Schienenschlange nicht auf.
    Wir wünschen künftig viele fröhliche (Bahn-)Wanderungen!

    LG und Wuff, der Nero samt Rudelchen

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  2. Das bestätigt meine Meinung, dass man mit jungen Hunden nicht unbedingt sowas "alles" gemacht haben sollte. Gerade in der sensiblen Junhundphase kann man oft mit negativen Erfahrungen mehr kaputt machen als man denkt. Emils Vorgänger war z.B. erst im Alter von 7 Jahren zum ersten mal auf einem großen Bahnhof und hat sich durch nichts und niemanden erschüttern lassen. Er war zu dieser Zeit ein absoluter Landeihund, ohne Stadterfahrung. Erwachsene Hunde stecken solche Situationen später oft weg, als hätten sie es schon 1000 mal gemacht.

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  3. Hey, Glückwunsch!!!
    Unsere haben noch keine Erfahrung mit der Bahn weil keine in der Nähe, Dafür war die erste Hundeschule direkt in der Einflugschneise bei Frankfurt, das lässt die kalt :)

    viele Grüße,
    Diana mit den schwarzen Banditen

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